Jahresbericht 2025

Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen

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Frau mit lockigem Haar und Brille vor einer grünen Hecke
Dr. Susanne Bastian
Präsidentin der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen

Vorwort

Sehr geehrte LUA-Interessierte,

der Jahresbericht 2025 der LUA Sachsen ist da – kompakt, aber voller spannender Einblicke in unsere Arbeit zu Lebensmitteluntersuchung, Futtermittelüberwachung, Human- und Veterinärmedizin. Alle Zahlen finden Sie unter www.lua.sachsen.de.

In einem herausfordernden Jahr haben wir mit Fachwissen und modernsten Methoden Themen wie Vogelgrippe, Lebensmittelsicherheit oder Zecken- und Mücken-Monitoring bearbeitet. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitarbeitenden – gemeinsam schützen wir die Gesundheit von Mensch und Tier.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre.

Jahresbericht 2025

Humanmedizin

Person arbeitet mit einer Probe im Labor
Foto: LUA Sachsen

Humanmedizin

Untersuchungen auf Darmerkrankungen in Sachsen

In Sachsen untersucht die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) Stuhlproben auf Erreger, die Durchfall und Erbrechen auslösen können. Besonders wichtig ist das für Menschen, die mit Lebensmitteln arbeiten, in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kitas, Schulen, Heime) oder in Justizvollzugsanstalten sind. Auch Proben von Geflüchteten werden, im Rahmen der Erstuntersuchung, an der LUA analysiert.

Ergebnisse 2025

  • 1.801 Proben wurden untersucht, in 677 Fällen wurden Erreger gefunden.
  • Am häufigsten waren Noroviren, EHEC-Bakterien und Salmonellen.

EHEC – ein besonderer Fokus

EHEC-Bakterien können schwere Verläufe auslösen, besonders wenn sie bestimmte Giftstoffe (Shigatoxine) bilden. 2025 gab es 209 EHEC-Nachweise – das ist fast ein Drittel aller in unserem Labor gefundenen Erreger. Seit 2023 steigen die EHEC-Fälle in Sachsen, auch weil die Tests genauer geworden sind. Im Herbst 2025 gab es einen bundesweiten EHEC-Ausbruch. Dank moderner Methoden konnten auch zwei Fälle aus Sachsen diesem Ausbruch zugeordnet werden.

Ziel

Durch die Untersuchungen sollen Ausbrüche früh erkannt und eingedämmt werden.

Humanmedizin

Serologie 2025 – Geschichten von Antigenen und Antikörpern

Auch im Jahr 2025 führte die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen diverse Bluttests durch, um auf Infektionen wie HIV, Hepatitis, Syphilis oder den Impfschutz gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken zu prüfen. Die meisten Anfragen kamen von der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) im Rahmen der Asyl-Erstuntersuchung (über 50 %), gefolgt von Gesundheitsämtern (ca. 40 %) und Justizvollzugsanstalten (ca. 4 %).

Insgesamt wurden 13.076 Blutproben in 52.407 Einzelanalysen untersucht.

HIV-Tests

  • 6.629 Proben (1294 von Asylsuchenden) wurden getestet (+19 % im Vergleich zu 2024).
  • 41 Personen hatten eine HIV-1-Infektion (0,62 %).
  • Ein Drittel der HIV-Fälle betraf Asylsuchende.

Syphilis-Tests

  • 4.113 Proben wurden untersucht (–9 %).
  • 8,8 % der Proben zeigten eine Syphilis-Infektion an.
  • 35 Personen hatten eine behandlungsbedürftige Syphilis (0,86 %).
  • 5 Personen hatten gleichzeitig Syphilis und HIV.

Hepatitis-Tests

  • Hepatitis A: 6.263 Tests, 3 akute Infektionen.
  • Hepatitis B: 6.480 Tests, 2 akute und 60 chronische Infektionen (meist bei Asylsuchenden).
  • Hepatitis C: 2.603 Tests, 88 bestätigte Antikörper-Nachweise (3,4 %).
  • Hepatitis E: 186 Tests, 35 akute Infektionen (18,8 %).

Impfschutz bei Asylsuchenden

Bei Asylsuchenden wurde der Impfschutz gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken geprüft:

71,9 %
immun gegen Masern
78,9 %
immun gegen Mumps
73,7 %
immun gegen Röteln
81,9 %
immun gegen Windpocken

Ziel

Die Tests helfen, Infektionen früh zu erkennen, zu behandeln und die Ausbreitung zu verhindern.

Tigermücke auf menschlicher Haut, erkennbar an 5 weißen Ringen je Bein
Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus)
Foto: LUA Sachsen

Humanmedizin

Neu in Sachsen: Die Asiatische Tigermücke

Erster Nachweis in Dresden
Im September 2024 wurde in Dresden die Asiatische Tigermücke erstmals in Sachsen entdeckt. Ursprünglich aus Südostasien stammend, breitet sie sich durch globalen Handel und Klimawandel aus. In Südeuropa und Südwestdeutschland ist sie bereits etabliert.

Warum ist das wichtig?

  • Aggressiv und tagaktiv – sticht auch am Tag und kann den Aufenthalt im Freien beeinträchtigen.
  • Überträger von tropischen Viren wie Dengue, Chikungunya und Zika.

Monitoring 2025 in Dresden

Von April bis Oktober 2025 führte die LUA Sachsen ein Monitoring im Umkreis von 300 Metern um den Fundort durch:

  • Frage: Hat die Tigermücke überwintert? Wie weit hat sie sich ausgebreitet?
  • Maßnahmen: Haushalte wurden informiert und um Mithilfe bei der Beseitigung von Brutstätten gebeten.

Ergebnisse

  • Die Tigermücke hat überwintert und sich im Monitoring-Gebiet etabliert.
  • Keine großflächige Ausbreitung – wahrscheinlich wegen ungünstiger Wetterbedingungen und der Beseitigung von Brutstätten durch Anwohner.
  • Nach den ersten Nachweisen 2025 wurde eine Bekämpfungsfirma hinzugezogen.
  • Über 300 Verdachtsmeldungen aus Sachsen gingen ein – nur eine (Dresden) bestätigte sich als Tigermücke.

Ausblick 2026

Makroaufnahme der Mundwerkzeuge einer Zecke
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)
Foto: Richard Bartz (CC BY-SA 2.5)

Humanmedizin

Zecken als Krankheitsüberträger - Borreliose und FSME im Jahr 2025

Borreliose: Häufig, aber nicht immer gefährlich
Zecken können Borreliose übertragen – besonders in Mittelsachsen, dem Erzgebirgskreis, dem Vogtlandkreis und der Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge.

Keine Panik!

  • Nicht jede Zecke ist infiziert (bis zu 30 % tragen Borrelien).
  • Nicht jeder Stich führt zu einer Infektion und nicht jede Infektion macht krank.
  • Viele Betroffene bilden Antikörper, ohne Symptome zu entwickeln.

Wann zum Arzt?

  • Bei Wanderröte (Erythema migrans) oder Gelenk- oder Nervenschmerzen nach einem Zeckenstich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Dort wird entschieden, ob ein Bluttest sinnvoll ist und ob eine Antibiotikabehandlung notwendig wird.

FSME: Leichter Rückgang, aber langfristig mehr Fälle

2025 gab es in Sachsen 48 FSME-Fälle.

  • Symptome: Meist grippeähnlich, bei 38 % mit neurologischen Folgen.
  • Impfschutz: Nur ein Patient war geimpft – die Impfung wirkt!
  • Infektionszeit: Meist Juni–August, aber auch im Winter (3 Fälle zwischen November und Januar).
  • Risikogebiete: Fast ganz Sachsen ist betroffen – nur Leipzig (Stadt und Landkreis) nicht.

Trend: Die Fallzahlen steigen langfristig, unter anderem durch Klimawandel, längere Zeckenaktivität und bessere Diagnostik.

Schutz vor Zecken: So geht’s

  • FSME: Impfung ist der beste Schutz, natürlich neben dem Schutz vor Zeckenstichen.
  • Borreliose: Keine Impfung verfügbar – daher:
    • Kleidung: Lange Ärmel, Hosen in Socken stecken.
    • Kontrolle: Nach Spaziergängen Körper absuchen.
    • Schnell handeln: Zecken sofort entfernen – Borrelien werden erst nach Stunden übertragen.

Mehr Informationen zu Zecken

Jahresbericht 2025

Lebensmitteluntersuchung

Person beim Einkauf von Gemüse im Supermarkt
Foto: Tara Clark / Unsplash

Lebensmitteluntersuchung

Ein Blick hinter die Kulissen der Lebensmitteluntersuchung

2025 wurden in Sachsen 20.428 Proben (91 % des Plans) von Lebensmitteln, Kosmetika, Bedarfsgegenständen und Tabakerzeugnissen untersucht. 3.231 Proben (15,8 %) wurden beanstandet – leicht weniger als im Vorjahr (16,8 %). Bei 1.171 Proben gab es Hinweise auf Hygienemängel.

Wo gab es die meisten Probleme?

15,4 %
Beanstandungen bei Lebensmitteln
65,2 %
Beanstandungen bei Tabakerzeugnissen
21,4 %
Beanstandungen bei Kosmetika
17,6 %
Beanstandungen bei Bedarfsgegenständen

Bei den Lebensmitteln besonders betroffen waren Nahrungsergänzungsmittel (43,1 %), vegane/vegetarische Ersatzprodukte (24,7 %), Süßwaren (25,2 %) und Brotaufstriche (25,2 %).

Der Hauptgrund war dabei die falsche oder irreführende Kennzeichnung (zum Beispiel fehlende Allergenhinweise, falsche Nährwertangaben).

Gesundheitsrisiken

  • Nur 50 Proben (0,24 %) wurden als gesundheitsschädlich beurteilt, etwa aufgrund des Nachweises von Salmonellen, Listerien oder Fremdkörper.
  • 458 weitere Proben enthielten krankheitserregende Keime (zum Beispiel in Rohmilch oder Hackfleisch), waren aber mit Warnhinweisen (zum Beispiel »Vor Verzehr abkochen«) versehen bzw. handelte es sich um nicht verzehrfertige Lebensmittel.

Fazit

Die Sicherheit von Lebensmitteln und Produkten in Sachsen bleibt hoch. Die meisten Beanstandungen betrafen Kennzeichnungsfehler, nicht akute Gesundheitsgefahren.

Lebensmitteluntersuchung

Echte Lebensmittel, echte Sicherheit – zur Rolle der Authentizität

Was bedeutet Lebensmittelauthentizität?
Ein Lebensmittel ist authentisch, wenn seine Zusammensetzung, Herkunft und Verarbeitung mit den Angaben auf der Verpackung übereinstimmen. Das ist wichtig für den Verbraucherschutz und die Lebensmittelsicherheit. Die LUA Sachsen prüft dies mit modernen Methoden wie Massenspektrometrie und DNA-Analysen, um Verfälschungen und Betrug aufzudecken.

Zimtstangen und gemahlener Zimt
Foto: Alex Bayev / Unsplash

Schadstoffe in Zimt

Hintergrund

Berichte aus den USA über Blei-Vergiftungen durch Zimt in Apfelsäften.

Ursache

Illegale Zugabe von Bleichromat zur Farbveränderung.

Ergebnis

Von 25 Proben überschritten 4 den EU-Höchstgehalt für Blei (2 mg/kg).

Zwei geschälte Garnelen im Vergleich, eine roh und eine gegart
Foto: LUA Sachsen

Wasserzusatz bei Garnelen

Hintergrund

Durch Wasserzusatz wird das Verkaufsgewicht erhöht – ohne Kennzeichnung täuscht das Verbraucherinnen und Verbraucher.

Prüfung

  • Sensorische Tests (Kochprobe: Größenverlust, Geschmack, Konsistenz).
  • Berechnung des Wasser-Eiweiß-Quotienten und Vergleich mit Referenzwerten.

Ergebnis

Von 31 Garnelenproben waren 6 (19 %) auffällig und wurden beanstandet.

Nahaufnahme gerösteter Kaffeebohnen
Foto: Anastasiia Chepinska / Unsplash

Kaffee: Arabica vs. Robusta

Hintergrund

Arabica Bohnen sind teurer als Robusta und haben ein feineres Aroma.

Prüfung

Nachweis des Markers 16-O-Methylcafestol (nur in Robusta).

Ergebnis

Alle 29 als Arabica deklarierten Proben waren korrekt.

Tasse mit Tee auf einem dunklen Holztablett
Foto: TeaCora Rooibos / Unsplash

Rooibos-Tee: Herkunftsschutz

Hintergrund

Rooibos ist das erste afrikanische Produkt mit EU-Herkunftsschutz (g. U.).

Prüfung

Nachweis typischer Inhaltsstoffe wie Aspalathin und Nothofagin.

Ergebnis

Bisher keine Verfälschungen in Sachsen nachweisbar.

Gläser Manuka-Honig unterschiedlicher Marken
Foto: LUA Sachsen

Manukahonig: Echtheitsprüfung

Hintergrund

Manukahonig ist teuer (30–100 €/250 g) und wird oft verfälscht.

Prüfung

Nachweis von Methylglyoxal (MGO) und anderen Markern.

Ergebnis

Bisher keine Fälschungen nachgewiesen – aber nur wenige Proben geprüft.

Olivenöl wird in eine Glasschale gegossen
Foto: Pixabay / pexels

Olivenöl: Qualitätsprüfung

Hintergrund

Verfälschung durch Verschnitt mit billigeren Ölen oder falsche Deklaration.

Prüfung

Sensorische Tests und analytische Methoden (zum Beispiel Fettsäurespektrum).

Ergebnis

Von 25 Proben wurden 3 als sensorisch nicht konform mit der höchsten Güteklasse (»nativ extra«) eingestuft.

Verschiedene Sorten Speiseeis in einer Eistheke
Foto: Lama Roscu / Unsplash

Aromen: Natürlich oder künstlich?

Hintergrund

Chirale Aromastoffe (zum Beispiel in Mango-Eis) können natürlichen oder künstlichen Ursprungs sein.

Prüfung

Enantiomerenanalytik (Trennung von Spiegelbildisomeren).

Ergebnis

20 von 152 Proben waren auffällig – meist wegen irreführender Kennzeichnung (zum Beispiel »Mangoeis« ohne natürliches Mangoaroma).

Darstellung einer DNA-Doppelhelix
Foto: digitale.de / Unsplash

DNA-Analytik: Tierarten, Allergene, GVO

Beispiele

  • »Feta«-Käsecreme enthielt Rind-DNA statt Schaf-/Ziege – als irreführend beanstandet.
  • »Wildlachs« war tatsächlich Pazifischer PollackFalschdeklaration.
  • »Wasabipaste« enthielt kein Wasabi, aber Senf-DNA (Allergen nicht deklariert).
  • »Takis Fuego« (USA) enthielt gentechnisch veränderten MaisKennzeichnung fehlte.
  • »Pistaziencreme« enthielt Mandel-DNA (Allergen nicht deklariert).
  • Alle als glutenfrei gekennzeichneten Proben hielten den Höchstgehalt von 20 mg/kg ein.
Massenspektrometer in einem Labor
Foto: LUA Sachsen

Nicht-zielgerichtete Analytik (NTS)

Methode

Hochauflösende Massenspektrometrie (HRMS) erfasst tausende Substanzen ohne »Fahndungsliste«.

Anwendung

Vergleich von Verdachtsproben mit unauffälligen Proben.

Ergebnis

Technik wurde 2025 bei Fleischproben eingesetzt – keine zusätzlichen Schadstoffe neben bereits bekannten Kontaminationen (PFAS, Dioxine, PCBs) nachweisbar.

Stapel verschiedener Schokoladenverpackungen
Foto: LUA Sachsen

Lebensmitteluntersuchung

Dubai-Schokolade – begehrt, beprobt, beanstandet

Was ist das Problem?
2025 wurde Dubai-Schokolade (Milchschokolade mit einer Füllung aus Pistaziencreme und knusprigen Teigfäden) in Sachsen 18-mal geprüft – alle Proben wurden beanstandet (100 % Quote).

Hauptmängel

Falsche Herkunftsangabe

Viele Produkte stammten aus der Türkei oder Deutschland, wurden aber als »Dubai-Schokolade« verkauft. Das OLG Köln urteilte: Nur Produkte aus Dubai dürfen so heißen – sonst muss »Dubai Style« draufstehen.

Fehlende oder falsche Kennzeichnung

  • Allergene (zum Beispiel Sesam, Haselnüsse) nicht oder falsch deklariert.
  • Azofarbstoffe (zum Beispiel Tartrazin E 102) ohne Warnhinweis für Kinder.

Verbotene Stoffe

zum Beispiel Rhodamin B, ein Farbstoff

Hygienemängel

Zwei Proben wiesen hohe Keimbelastungen auf.

Aktuelle Lage

  • EU-weite verstärkte Kontrollen betreffen Dubai-Schokolade aus der Türkei wegen nicht gekennzeichnetem Sesamanteils und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wegen Aflatoxin B1.
  • Neuer Trend: »Angel-Hair-Schokolade« (mit Art Zuckerwatte anstelle der Teigfäden) zeigt ähnliche Mängel (zum Beispiel Allergene, Kennzeichnung).

Fazit

Vorsicht bei exotischen Süßwaren – Kennzeichnung und Herkunft prüfen!

Lebensmitteluntersuchung

Listeria monocytogenes – ein ständiger Begleiter in der Lebensmitteluntersuchung

Was sind Listerien?
Listerien, insbesondere das Bakterium Listeria monocytogenes, sind weit verbreitet – in Erde, Wasser, Tieren und sogar in Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten oder vorgefertigten Salaten. Das Tückische: Sie vermehren sich auch im Kühlschrank (ab 0 °C) und überleben unter extremen Bedingungen wie hohem Salzgehalt.

Petrischale mit Bakterienkulturen
Foto: LUA Sachsen

Wie gelangen Listerien in Lebensmittel?

  • Kontamination bereits bei der Herstellung (zum Beispiel beim Schlachten oder Melken).
  • Persistenz in Betrieben: Die Bakterien können sich in schwer zu reinigenden Ecken (zum Beispiel Förderbänder, Abflüsse) festsetzen und Biofilme bilden, welche die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln einschränken können.
  • Kreuzkontamination im Haushalt, zum Beispiel durch unsachgemäße Lagerung im Kühlschrank oder zu lange Aufbewahrung.
Hackfleisch in Gastrobehältern
Foto: Luis Kuthe / pexels

Welche Lebensmittel sind besonders riskant?

Vor allem verzehrfertige Produkte, die nicht mehr erhitzt werden:

  • Rohes Fleisch (zum Beispiel Hackepeter, Salami)
  • Rohmilchkäse (besonders Weichkäse)
  • Geräucherter oder marinierter Fisch (zum Beispiel Lachs)
  • Vorgeschnittene Salate
Bauch einer schwangeren Frau
Foto: freestocks / unsplash

Wer ist besonders gefährdet?

  • Schwangere (Risiko für Fehlgeburt oder Infektion des Kindes)
  • Ältere Menschen
  • Personen mit geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel bei Krebs, HIV, nach Transplantationen)
  • Säuglinge
Eine Frau liegt im Bett und niest
Foto: Andrea Piacquadio / pexels

Wie äußert sich eine Infektion?

  • Leichte Verläufe: Grippeähnliche Symptome, Durchfall (Inkubationszeit: 1–10 Tage).
  • Schwere Verläufe (bei Risikogruppen):
    • Blutvergiftung (Sepsis)
    • Hirnhautentzündung (Meningitis)
    • Organschäden (zum Beispiel Herz, Gelenke)
    • Bei Schwangeren: Übertragung auf das Kind mit schweren Folgen (Frühgeburt, Totgeburt).
    • Inkubationszeit: Bis zu 90 Tage möglich!
Person im Krankenhausbett
Foto: Olga Kononenko / unsplash

Warum sind Listerien so gefährlich?

  • Hohe Sterblichkeit: Etwa 7 % der Infizierten sterben – damit ist Listeriose eine der tödlichsten lebensmittelbedingten Erkrankungen in der EU.
  • Häufige Krankenhausaufenthalte: 7 von 10 Betroffenen müssen stationär behandelt werden.

Aktuelle Lage in Sachsen (2025)

  • 6.092 Lebensmittelproben untersucht, davon 5,5 % mit Listerien belastet.
  • Besonders betroffen: Fleisch und Wurst (13,9 % der Proben positiv), vor allem rohes Hackfleisch (20,8 %) und Rohwürste (25 %).
  • 9 Proben überschritten den Grenzwert von 100 Keimen pro Gramm – davon wurden 6 als gesundheitsschädlich eingestuft (zum Beispiel Teewurst, geräucherter Heilbutt).

Neue EU-Regeln ab Juli 2026

  • Strengere Grenzwerte: Für verzehrfertige Lebensmittel, die Listerien-Wachstum begünstigen, gilt künftig »nicht nachweisbar in 25 g« – während der gesamten Haltbarkeitsdauer.
  • Ziel: Sicherheitslücke schließen, da bisherige Regeln nur bis zum Verlassen des Herstellers galten.
  • Herausforderungen:
    • Lebensmittelhersteller müssen aufwendige Tests (zum Beispiel Challenge-Tests) durchführen, um die Einhaltung nachzuweisen.
    • Behörden müssen einheitliche Standards für die Bewertung der Nachweise entwickeln.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun?

Risikolebensmittel meiden

Besonders wichtig für Schwangere, Ältere und immungeschwächte Menschen.

Richtig kühlen

Den Kühlschrank auf höchstens 4 bis 5 °C einstellen und verzehrfertige Produkte schnell verbrauchen.

Gründlich durchgaren

Fleisch, Fisch und Eier ausreichend erhitzen und Rohes von Verzehrfertigem trennen.

Sauber arbeiten

Hände, Messer und Arbeitsflächen nach Kontakt mit rohen Lebensmitteln sofort reinigen.

Fazit

Listerien sind eine oft unterschätzte, aber lebensbedrohliche Gefahr – besonders für Risikogruppen. Prävention durch Hygiene, richtige Lagerung und neue EU-Vorgaben soll die Sicherheit erhöhen. Jeder kann durch bewussten Umgang mit Lebensmitteln dazu beitragen!

Algensalat in Schüssel mit Stäbchen
Foto: Dilara Yilmaz / Unspalsh

Lebensmitteluntersuchung

Algen im Trend – Vorsicht beim Jodgehalt

Algen sind in der Küche beliebt – ob als Sushi-Nori, in Suppen (Kombu, Wakame) oder als veganes Geliermittel (Agar Agar, Alginat). Es gibt Makroalgen (zum Beispiel Nori, Zuckertang) und Mikroalgen (zum Beispiel Spirulina, Chlorella), aus Meer oder Süßwasser.

Jod in Algen: Wichtig, aber riskant

Jod ist lebensnotwendig, aber zu viel schadet!

  • Meeresalgen (vor allem Braunalgen wie Kombu) können extrem viel Jod enthalten – bis zu 10.000 mg/kg (Trockenware).
  • Süßwasseralgen (zum Beispiel Spirulina) enthalten kaum Jod.
  • Empfohlene Obergrenze: Maximal 500 µg Jod/Tag für Erwachsene (BfR), da Deutschland wieder ein Jodmangelgebiet ist.

Risiken bei übermäßigem Jodkonsum

  • Schilddrüsenprobleme: Bei plötzlicher hoher Jodzufuhr (zum Beispiel durch Algen) kann es zu Schilddrüsen-Überfunktion mit lebensbedrohlichen Folgen kommen.
  • Dauerhafter Überschuss: Kann die Hormonbildung hemmen und zu Unterfunktion oder Kropf führen.

Tipps für sicheren Algen-Genuss

Kennzeichnung beachten

Produkte sollten Jodgehalt, Warnhinweise und Verzehrempfehlungen angeben.

Zubereitung hilft

Einweichen, Blanchieren oder Kochen reduziert den Jodgehalt.

Mengen beachten

Das BfR empfiehlt maximal 20 mg Jod/kg Trockengewicht – sofern keine klaren Hinweise auf der Packung stehen.

Beispiel: Getrocknete Seetangstreifen enthielten 2025
3.282 mg Jod/kg. Nach dem Einweichen: nur noch 36 mg/kg – aber auch hier gilt: Nicht zu viel davon essen!

Fazit

Algen sind gesund, aber Vorsicht bei Meeresalgen! Man sollte sich über den Jodgehalt informieren und an die empfohlenen Mengen halten.

Jahresbericht 2025

Futtermittelüberwachung

Kühe im Stall fressen Heu
Foto: Eline Spee / pexels

Futtermittelüberwachung

Sicherheit beginnt beim Futter – Ein Einblick in die Fachrechtskontrollen der amtlichen Futtermittelüberwachung

Warum Futtermittelkontrollen wichtig sind
Gesunde Nutztiere (Rinder, Schweine, Geflügel, Fische) liefern uns sichere Lebensmittel. Dafür brauchen sie sicheres Futter! Die amtliche Futtermittelüberwachung in Sachsen prüft, ob Hersteller, Händler und Landwirte die gesetzlichen Vorgaben einhalten – von der Lagerung bis zur Kennzeichnung.

Was wird kontrolliert?

5.794
Futtermittelunternehmen an mehr als 6.300 Standorten in Sachsen
865
Inspektionen in 2025, davon 795 Routinekontrollen und 49 mit Verstößen
718
untersuchte Futtermittelproben – vor allem bei Einzelfuttermitteln (zum Beispiel Getreide) und Mischfuttermitteln (zum Beispiel Tierfutterpellets).

Schwerpunkte

  • Saubere Lagerung (keine Schadstoffe, keine Verunreinigungen).
  • Fütterungshygiene in tierhaltenden Betrieben.
  • Einhaltung von Grenzwerten für Schadstoffe (zum Beispiel Schwermetalle, Dioxine) und Zusatzstoffe (zum Beispiel Vitamine).

Wie wird kontrolliert?

  • Vor Ort: 5 Außendienstmitarbeiter prüfen Lager, Produktionsstätten und Fütterungshygiene – mit spezieller Ausrüstung (zum Beispiel Probenahme-Stäbe, Schutzausrüstung).
  • Proben: Repräsentative Proben werden entnommen und im Labor auf Schadstoffe oder falsche Deklarationen untersucht.
  • Maßnahmen bei Verstößen:
    • Mängelbeseitigung anordnen.
    • Futtermittel sperren oder aus dem Verkehr ziehen.
    • Meldung an Schnellwarnsysteme oder andere Behörden.

Warum das alle betrifft?

  • Nutztiere: Sicheres Futter = sichere Lebensmittel (Fleisch, Milch, Eier).
  • Heimtierfutter: Auch hier gelten strenge Regeln – trotz kreativer Vermarktung.
  • Verbraucherschutz: Die Überwachung ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Landwirtschaft, Industrie und unserem Teller.

Fazit

Die Futtermittelüberwachung sorgt dafür, dass Tiere gesund bleiben – und wir uns auf unsere Lebensmittel verlassen können.

Jahresbericht 2025

Veterinärmedizin

Veterinärmedizin

Aviäre Influenza in Sachsen - alle Jahre wieder und doch immer wieder neu

Was ist passiert?
Rekordzahl an Nachweisen: 2025 wurden 4.197 Proben untersucht – 192 Fälle von Vogelgrippe (HPAI H5N1) bei Hausgeflügel, Wildvögeln und gehaltenen Vögeln bestätigt.

Betroffene Regionen

Ausbrüche bei Wildvögeln über ganz Sachsen verteilt.

Karte von Sachsen mit Punkten für HPAI-H5N1 Nachweise
HPAI-H5N1 Nachweise in Sachsen im Zeitraum 01.10.2025 bis 16.03.2026; rot = gehaltene Vögel bzw. Nutztierbestände, blau = Wildvögel
Quelle: TSN

Wie verbreitet sich das Virus?

  • Hauptquelle: Wildvögel (vor allem Wildvögel wie Wildgänse, Schwäne) bilden das Reservoir – Übertragung auf Geflügel und gehaltene Vögel durch direkten oder indirekten Kontakt.
  • Neue Entwicklung: Das Virus zeigt eine hohe genetische Vielfalt, die neben Vögeln eine Anpassung an Säugetiere ermöglicht (zum Beispiel Wildcarnivoren, unter anderem 2 Füchse im LK Bautzen). Bisher keine Nachweise einer Übertragung auf Menschen in Deutschland.

Was wird getan?

Monitoring

Geflügelbestände und -haltungen, verendete Wildvögel und Wildcarnivoren (zum Beispiel Füchse, Waschbären) werden regelmäßig untersucht.

Schutzmaßnahmen

Aufstallung von Geflügel, Hygiene und Desinfektion, Zugangsbeschränkung (zum Beispiel im Zoo Leipzig).

Fazit

Die Vogelgrippe bleibt eine ernste Bedrohung für Wildvögel und Geflügelbestände. Halter müssen Biosicherheitsmaßnahmen (zum Beispiel Schutz vor direkten und indirekten Kontakt mit Wildvögeln) ganzjährig streng einhalten. Monitoringuntersuchungen im Wildtierbereich sowie die Einsendung von Verdachtsproben von Nutzgeflügel zur schnellen Abklärung sind wichtig, um Risiken für das Nutzgeflügel zu erkennen, Ausbrüche und die weitere Virusausbreitung frühzeitig einzudämmen sowie Gefahren einer Adaptation von HPAI an Säugetiere bzw. den Menschen besser abschätzen zu können.

Foto eines Pitbulls hinter einem Metallzaun
Foto: lasav 69 / pexels

Veterinärmedizin

Schmuggelhunde und Urlaubsreisen - was Hund aus dem Ausland so mitbringen kann

Fallbeispiel 1: Welpen aus Osteuropa

Hintergrund: Immer mehr Hunde werden aus Osteuropa illegal nach Deutschland geschmuggelt – oft unter katastrophalen Bedingungen.

Hauptprobleme

  • Infektionskrankheiten: Durchfall (Parvoviren, Salmonellen, Giardien, Bandwürmer),Sepsis.
  • Stoffwechselstörungen: insbesondere bei Zwerghunderassen durch Stress (zum Beispiel Transport) verursachtes Leberversagen.
  • Cave Tollwut: aktuell (2025) gab es in Rheinland-Pfalz einen Fall – ein Hund aus Russland war infiziert. Bei drei nach Sachsen verbrachten Kontaktehunden wurden vorsorglich die Tollwutantikörper-Titer durch die LUA bestimmt, die Tiere geimpft und beobachtet.

Aktuelle Tollwutlage in Europa

  • Polen (Grenzgebiet zur Ukraine): 2025 wurden 18 Tollwutfälle bei Tieren (Füchse, Hunde, Katzen) bestätigt.
  • Deutschland: Tollwut kommt bei Fledermäusen vor (andere Viren als klassische Tollwut).

Fazit

Keine Welpen aus dem Ausland kaufen! – viel Tierleid, hohe Gefahr der Einschleppung von Krankheitserregern für Tier und Mensch, hohe Folgekosten für Besitzer

Fallbeispiel 2: Urlaub mit dem Hund – Herzwurmerkrankung

Bei einem importierten Hund aus Bulgarien wurde bei der Sektion in der LUA eine Infektion mit Herzwürmern (Dirofilaria immitis) nachgewiesen.

  • Übertragung: Durch Mücken; Krankheit in tropischen und subtropischen Gebieten (zum Beispiel Mittelmeeranrainer) weit verbreitet (endemisch), so dass sich auch in den Urlaub mitreisende Hunde infizieren können
  • Symptome: Husten, Atemnot, Erbrechen, Schwäche.
  • Gefahr: Die Würmer können Herz, Lunge und Nieren schädigen – oft tödlich.

Vorbeugung

  • Vor Reiseantritt: Tierarzt konsultieren (unter anderem Dokumentenprüfung), Impfungen aktualisieren und Mückenschutzvorsorge (zum Beispiel Spot-On-Präparate) sind Pflicht!
  • Nach der Reise: Test auf Reisekrankheiten (zum Beispiel Herzwürmer, Babesien, Leishmania).
Bakterienkolonien auf Trägermaterial
Foto: LUA Sachsen

Veterinärmedizin

MRSA in Rohmilchproben – Häufigkeit und Risiken

Was ist MRSA?

  • Methicillin-resistente Staphylococcus aureus – ein multiresistentes Bakterium, gegen das eine Vielzahl Antibiotika nicht wirksam ist.
  • Übertragung: Durch engen Kontakt mit MRSA positiven Tieren oder Menschen

Aktuelle Daten aus Sachsen (2025):

  • 2.688 Staphylococcus aureus-Isolate in Milchproben gefunden.
  • 204 davon (7,6 %) waren MRSA – leicht rückläufig (2024: 8,5 %).

Jahresbericht 2025

Die LUA Sachsen

Die LUA Sachsen

Was macht die LUA?

Die LUA Sachsen leistet mit ihren ca. 500 Mitarbeitenden einen wissenschaftlichen Beitrag zum Infektionsschutz, Umweltmedizin, Krankenhaushygiene, Lebensmittel- und Tiergesundheit. Sie untersucht Proben, erstellt Gutachten und unterstützt den öffentlichen Gesundheitsdienst Sachsens.

Die LUA Sachsen

Zahlen & Mitarbeitenden

Die 497 Mitarbeitenden teilen sich wie folgt auf die Standorte auf:

Dresden Jägerstraße: 200, Chemnitz: 169, Dresden Reichenbachstraße: 82, Leipzig: 46

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 51 Mitarbeitende eingestellt, darunter 9 Praktikantinnen und Praktikanten zur/zum staatlich geprüften Lebensmittelchemiker/in und Auszubildende. Neue Mitarbeitende begrüßt die LUA mit einer Willkommensbroschüre, einem Kennenlerngespräch mit der Präsidentin und einer strukturierten Einarbeitung.

Frauenquote

Von den 497 Mitarbeitenden Stand 31.12.2025 sind 392 Frauen, die Frauenquote beträgt damit 79 %.

Teilzeit

Von 497 Mitarbeitenden (Stand 31.12.2025) sind 257 teilzeitbeschäftigt, dies entspricht 52 %.

Ausbildung & Praktikum

23 Auszubildende und 63 Praktikanten (Schülerinnen und Schüler, Berufsausbildung, Hygienekontrollerinnen und -kontrolleure, Studierende, Hospitantinnen und Hospitanten)

Die LUA Sachsen

Wir arbeiten nach zwei Akkreditierungsnormen.

Dazu benötigen wir diverse Regelungen und Vorgabedokumente damit Untersuchungen einheitlich, nachvollziehbar und abgesichert durchgeführt und korrekte Untersuchungsergebnisse erzielt werden.

Zu den Regelungen/ Vorgabedokumenten gehören neben zahlreichen nationalen und internationalen Verordnungen unter anderem:

1
Qualitätsmanagementhandbuch
3
Probenahmehandbücher
34
Standardarbeitsanweisungen
ca. 450
Verfahrensanweisungen
ca. 1100
validierte Prüfverfahren
ca. 3100
Gerätehandbücher

Alle Dokumente müssen erstellt, gepflegt und aktuell gehalten werden.