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Zecken, Mücken und durch sie übertragene Infektionskrankheiten

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© https://www.inaturalist.org/photos/173969485?size=large © Martin Galli (https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/) | https://pixabay.com/photos/mosquito-female-aedes-albopictus-1332382/ | https://www.pexels.com/de-de/foto/natur-rot-sommer-wald-1

Als Vektoren bezeichnet man Lebewesen, die Krankheitserreger von einem infizierten Wirt auf andere Tiere oder den Menschen übertragen können. Dabei handelt es sich häufig um blutsaugende Gliederfüßer wie Stechmücken, Zecken, Flöhe und Läuse. Zu den vektorübertragenen Infektionskrankheiten zählen beispielsweise die Borreliose, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und das Chikungunya-, Dengue- und West-Nil-Fieber. In Deutschland sind bedeutsame Vektoren vor allem Zecken und zunehmend auch Stechmücken.

Globalisierung und Klimaerwärmung begünstigen einerseits die Ausbreitung eingeschleppter Vektoren und andererseits beeinflussen sie auch in komplexer Weise die Aktivität von Vektoren, ihren Wirtstieren und den übertragenen Krankheitserregern. So wurde beispielsweise die invasive Asiatische Tigermücke 2024 erstmals in Sachsen nachgewiesen. Seit einigen Jahren kommt zudem das wärmeliebende West-Nil-Virus in Deutschland vor, das durch heimische Mückenarten übertragen wird. Auch die Auwaldzecke hat sich in den letzten Jahren weiter in Deutschland verbreitet. Zusätzlich weist das Robert-Koch-Institut regelmäßig neue Landkreise als FSME-Risikogebiete aus.

Vektoren und vektorübertragene Erkrankungen sind auch ein Thema für die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA). Hier werden die gemeldeten Infektionen erfasst. Außerdem wurden Zeckenstudien sowie ein Monitoring der ersten sächsischen Asiatischen Tigermücken-Population in Dresden durchgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Information und Aufklärung der Bevölkerung.

Zecken

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© Holgr Krisp, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons (modified zoom)

Asiatische Tigermücke

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© Photograf & Bildrechte: Björn Pluskota (KABS)

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.infektionsschutz.de/infektionen/uebertragungswege/infektionen-ueber-zecken-und-muecken/

Helfen Sie mit, die Verbreitung verschiedener Zecken- und Mückenarten zu überwachen und laden Sie ein Foto gesichteter Exemplare hoch auf:

https://de.observation.org/species/ZEMEKI/

Bitte melden Sie Verdachtsfunde von Asiatischen Tigermücken mit Foto (gut erkennbarer weißer Streifen auf Kopf und Rücken) an tigermuecke@lua.sms.sachsen.de.

Die globale Klimaerwärmung hat Einfluss u.a. auf die Verbreitung und Aktivität von Vektoren (z.B. Zecken und Mücken), deren Wirten und der durch sie übertra­genen Infektionserreger. Aufgrund des komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren können die Auswirkungen nur schwer vorhergesagt werden.

In Sachsen kam es in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu milderen Wintern sowie längeren, wärmeren und trockeneren Sommern. Niederschläge in Form von Starkregenereignissen haben zugenommen.

Bei höheren Temperaturen und geeigneter Luftfeuchtigkeit ist beispielsweise der Entwicklungszyklus von Zecken beschleunigt, wobei ausgeprägte Trockenheit die Aktivität der heimischen Zecken reduziert. Auch bei Mücken läuft der Entwicklungszyklus bei hohen Temperaturen schneller ab. Sind ausreichend Brutstätten vorhanden, begünstigt dies eine massenhafte Vermehrung. Auch die Entwicklung vieler Krankheitserreger in den Vektoren sowie deren Übertragung auf den Menschen sind von der Außentemperatur abhängig.

Klimawandel sowie Globalisierung begünstigen zudem das Einschleppen und die Ansiedlung neuer Arten von Vektoren und durch sie übertragener Infektionserreger in Sachsen. Davon profitieren wärmeliebende invasive Arten bzw. Gattungen wie die Asiatische Tigermücke, Sandmücken und Hyalomma-Zecken. Diese sind bisher nicht flächendeckend in Deutschland verbreitet, siedeln sich jedoch zunehmend an. Sie können Krankheitserreger übertragen, die bisher in Deutschland nicht heimisch sind.

Die Asiatische Tigermücke hat sich im warmen Südwesten Deutschlands bereits fest etabliert und breitet sich aktuell immer weiter aus. Sie ist als Überträgerin von u.a. Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren von besonderer Bedeutung.

Die invasiven Sandmücken kommen bisher ebenfalls v.a. im Südwesten Deutschlands vor. Sie übertragen beispielsweise Parasiten der Gattung Leishmania, die bei Säugetieren und auch beim Menschen zu schwer behandelbaren Infektionen führen. Es gibt Hinweise, dass es in Deutschland bereits zur Übertragung von Leishmania auf den Menschen kam.

Hyalomma-Zecken sind wärmeliebend und anders als der Gemeine Holzbock und die Auwaldzecke auch bei Trockenheit aktiv. Sie können u.a. das Krim-Kongo-Fieber-Virus auf den Menschen übertragen, das zu schwer verlaufenden Infektionen führt.

Bisher ist kein Fall bekannt, in dem diese Krankheitserreger (Leishmania ausgenommen) in Deutschland auf den Menschen übertragen wurden. Sie könnten jedoch, bedingt durch den Klimawandel, bald auch hierzulande heimisch werden. 

Das West-Nil-Virus hat dies in einigen Regionen, u.a. in Teilen Sachsens, bereits geschafft. Hier wurde 2019 der erste Fall einer Übertragung dieses Virus durch Stechmücken auf den Menschen in Deutschland bekannt.

Das West-Nil-Fieber ist eine Viruserkrankung, die von Vögeln über Stechmücken, hauptsächlich durch heimische Mücken der Gattung Culex, auf den Menschen übertragen werden kann. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Krankheitssymptome oder mit grippeähnlichen Beschwerden. Bei etwa einer von 100 infizierten Personen kommt es zu einer schweren Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Das Virus stammt ursprünglich aus Afrika, breitet sich aber durch die Klimaerwärmung auch in Europa zunehmend aus. In Südeuropa wird das Virus bereits seit längerem übertragen. Seit 2019 wurden auch in Deutschland durch Mücken übertragene Erkrankungsfälle registriert, vor allem in Ostdeutschland. Derzeit existieren weder eine spezifische Prophylaxe noch eine gezielte Therapie für den Menschen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.infektionsschutz.de/infektionen/erregersteckbriefe/west-nil-fieber/

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